Der Verein

5. Nov. 2009

In langen Nächten lockt die Liebe

Ohrenschmaus/Die Mitglieder des Vereins Erzählkultur zeigten im Renaissance-Saal von Schloss Geyerswörth ihr Können.

Eine bezaubernde Nacht voller Geschichten erlebten die Besucher im Renaissance-Saal von Schloss Geyerswörth: Die Mitglieder des Vereins „Erzählkultur“, die immer wieder an anderen Orten ihre Kunst zeigen, luden dort hin zu „Lebenslieben und  Liebesleben“ ein.

Allen voran schilderte Hans-Otto Holzapfel, der an einen Würdenträger erinnert, vom König von Makronien, der einst eine Frau suchte, die Pfeffernüsse backen kann. Und er fand eine Frau, die seine Königin wurde und keine Pfeffernüsse backen konnte. Aber schließlich war der König auch nicht in der Lage, das Brummeisen zu spielen, das sie so gerne hörte. Nach einem Streit intensivierte sich ihre Liebe und die beiden sahen über die vermeintlichen Unzulänglichkeiten des anderen hinweg.

Wie die Seelenspitzen entstanden sind, wusste Erzähler und Stadtführer Christian Berkenkamp, passend zur Jahreszeit, eindrücklich zu schildern: Die Liebste des Schusterjungen, der mit 15 Jahren schon als erwachsen galt, war gestorben, so dachte man. Einzig und allein ihr Zopf, dessen Spitze als Spitze der Seele angesehen wurde, ragte über den Sarg hinaus in das Leben. Und tatsächlich: Sie hatte eine Maus verschluckt und kam wieder zurück in die irdische Welt, woraufhin Hochzeit gefeiert wurde. Früher gab es die Seelenspitzen als Gebäck nur zu Allerheiligen und Allerseelen. Heute kann man sie nahezu das ganze Jahr über kaufen.

Immer wieder mit frechen Einfällen das Programm moderierend zeigte sich Dirk Bayer. Doch nicht nur das: Er verriet den gebannten Zuschauern auch, wo die ganzen Geschichten eigentlich geboren sind und wie sie auf die Erde kamen. Die listige Spinne stahl sie eines Nachts. Doch per Zufall kamen sie zurück auf die Erde.

Dort nimmt der Puppenspieler Patrik Lumma den Faden des Insekts auf und berichtet von einem Spielmann, der es verstand, in listiger Art und Weise den Ort von der Spinnenangst zu befreien und obendrein noch die hübsche Tochter des Bürgermeisters heiratete. Dabei explodiert Patrik Lumma regelrecht auf der Bühne, was in ganz eigener Art angesichts seiner Erscheinung faszinierte.

Der Autor Michael Milde versuchte sehr amüsant, seine Geliebte von der Steuer abzusetzen, was die Zuschauer zum Schmunzeln brachte und letztlich nicht gelang.

Mit zarten Tönen gestaltete Anneke Groot den Abend: Als bekennende Anhängerin der Band „Carpenters“ interpretierte die Sängerin Lieder wie „There’s a kind of hush“ hingebungsvoll. Ihr charmanter Akzent unterstrich ihren eigenen Ausdruck und rückte die schöne Akustik im Renaissance-Saal in den Fokus der  Aufmerksamkeit.

Die Vorsitzende des Vereins „Erzählkultur“ Peggy Hoffmann, die zusammen mit Dirk Bayer durch den Abend führte, dankte Nicole Schlosser vom Kulturamt Bamberg, dass sie den  Renaissance-Saal von Schloss Geyerswörth für den Abend geöffnet hat. Zu guter Letzt erzählte Peggy Hoffmann von einer aufgebrachten Ehefrau, die sich mit Cindy Crawford verglich und letztlich ihren Ehemann verführte.

Das Schlusswort des gelungenen Abends bildeten die Erzählerinnen und Erzähler mit einer Zeile zur Liebe, was die Zuschauer so berührte, dass der eine oder die andere ebenfalls einen Vers verlauten lies. eln

„Erzählen in den Sälen“ ist das Motto der nächsten Veranstaltung am 14. Januar 2010. Nähere Informationen unter www.erzaehl-kultur.de

Elisabeth Niestroj

Keine Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Sorry, die Kommentarfunktion ist gesperrt.

Links