Der Verein

11. Aug. 2009

„Wir sind hier falsch“

Am letzten Freitag gab es in Bamberg etwas ganz Seltenes zu bewundern. Der Verein Erzählkultur veranstaltete einen Abend mit dem Thema „Sommergeschichten“.

„Erzählen im Hain“, so hieß die Veranstaltung offiziell, doch eigentlich war es im Allgemeinen und Speziellen viel mehr als nur Erzählen. Es war eine Vermittlung von Gefühlen und Geschichten, ob wahr oder erfunden – völlig egal. Hauptsache war, dass es dem Publikum gefiel. Und das tat es sehr wohl. Doch dieses Publikum kann man prinzipiell gar nicht als solches bezeichnen, es war vielmehr auch ein Teil der Geschichtenerzähler, denn Integration und Interaktion standen an diesem Abend im Mittelpunkt.

Angefangen von zwei lustigen, aber obendrein auch noch lehrreichen Legenden aus der Region von Christian Berkenkamp, der als Stadtführer natürlich alles über diese Gegend weiß, wurde der Abend sehr passend eingeleitet. Gefolgt von Peggy Hoffmann, die mit einer ihrer berühmten Geschichten anfing, von denen das Publikum später entscheiden musste, ob sie wahr oder frei erfunden waren. Peggy verstand es die Gäste mit der ihr eigenen Mimik und Gestik in den Bann zu ziehen.

Ein musikalisches Zwischenspiel von Anneke Groot setzte den Abend fort. Ob Spanisch oder Holländisch, alles war dabei und ihr wunderbarer Gesang beeindruckte. Fortgesetzt wurde mit einem gemeinschaftlichen Spiel, moderiert von Dirk Bayer, der mit viel Witz und Kommunikation die anfänglich noch angespannte Stimmung sofort in eine gemütliche Gestimmtheit verkehrte.

Dann folgte der eigentliche Höhepunkt: Patrik Lummas gespielte Erzählung, bei der es um eine Spinne ging, die mit einem einzigen Biss töten konnte und nur ein bestimmtes Lied entpuppte sich als Gegengift. Untermalt von Annekes Gitarre und Patriks Geige, die gemeinsam ein meisterliches Duett abgaben, was das Publikum und Künstlerkollegen faszinierte.

Auch Michael Milde, der Schriftsteller im Verein, hatte mal wieder das Beste aus seiner literarischen Welt dabei und las eine witzige Geschichte aus den Anfängen des Vereins Erzählkultur, die mit viel fränkischer Mundart versehen, für so manchen Lacher sorgte.
Danach folgten Schlag auf Schlag kurze Geschichten von Dirk Bayer, Peggy Hoffmann und musikalische Schmankerl von Anneke, was den Abend in der idyllischen Szenerie des Hains wunderbar ausklingen ließ.

Doch dann geschah das Unvorhergesehene: Es war schon enttäuschend, trotz allen vorherigen Ankündigungen in der Zeitung und auf der Website fanden nur wenige den Weg zum Musikpavillon. Doch Dirk Bayer erfuhr schließlich die unerwartete Meldung später Gäste: „Wir sind hier falsch, die anderen Gäste haben da hinten bei dem anderen Pavillon gewartet.“ Sicher, eigentlich war Erzählkultur am Musikpavillon richtig, aber ist nicht der rechte Platz der Künstler bei ihrem Publikum, egal wo sie warten?

Doch am Ende waren die Zuschauer so begeistert, dass sie sogar eigene Geschichten erzählten. Und das unterscheidet Erzählkultur von vielen anderen „Profis“. Alles in allem kann man sagen, dass der Abend ein voller Erfolg für den Verein und ihre ehrenamtlichen Künstler war. Da freue ich mich jetzt schon auf die nächste Aktion des Vereins „Kultur im Schloss“ am 30. Oktober im Schloss Geyerswörth.

Jonas Milde

(früher Journalist, Gymnasiast und „Kultur im Hain“-Fotograf)

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